2026 Mädchenmeisterschaften U10-U18 News

BMEM – Runde 3: Rauchende Köpfe oder können Schachbretter „schlecht“ werden? …

Die Runde ist noch keine zwei Minuten alt und schon ist eine Partie in der U10w entschieden – nicht auf dem Brett, sondern durch einen Schiedsrichter, da ein Handy mit ans Brett genommen wurde.

 

Für die Mädchenmeisterschaften wurde ein Stapel neuer Schachbretter gespendet. Beim Auspacken hat die Mädchenreferentin kurz gezuckt: Können Schachbretter wirklich „über dem Verfallsdatum sein“? Nein, können sie natürlich nicht – aber für einen großen Lacher hat das Thema trotzdem gesorgt. Die grundsätzliche Empfehlung war: nicht essen!

 

Rauchende Köpfe sind auf einer Schachmeisterschaft ja im Prinzip nichts Außergewöhnliches. Dass einem König aber nicht nur der Kopf raucht, sondern die Krone sprichwörtlich abgebrannt ist, ist eine Seltenheit. Danke, Helmut, für diese Nürnberger Spende an die Sammlung „Invalider Schachfiguren“, die es heute auf das Titelbild geschafft hat.

 

Auch zum Thema Diskriminierung kann man immer viel berichten. In diesem Fall handelt es sich um eine Benachteiligung der Schwarzspielerinnen: Sollte man zu Beginn einer Runde schon in die Verlegenheit kommen, eine zweite, dritte oder vierte Dame zu brauchen, dann könnte das Angebot an zentral gelagerten Zusatzdamen gegebenenfalls unerwartet knapp werden. Als Weißspielerin muss man hingegen deutlich weniger Sorge haben, dass die Damen ausgehen. Die Mädchenreferentin hat aber versichert, dass sie in jedem Fall immer schnelltrocknende schwarze Farbe mitführt, um gegebenenfalls kurzfristige Umdekorierungen vornehmen zu können.

 

Und welche Erkenntnisse hat das Turnier zu bieten?

 

U10w:

An Brett 1 schlägt Yasmina Abdullayeva sensationell die Deutsche U8w-Meisterin aus dem Jahr 2024, Alicia Schaper. Der DWZ-Unterschied beträgt mehr als 300 Punkte. Dabei stand Alicia Schaper lange Zeit deutlich besser, ließ die Partie aber zum Remis verflachen. In dem Wunsch, den Sieg doch noch zu erreichen, hat Alicia ihrer Gegnerin dann eine Figur „gespendet“.

Eine kleine Überraschung war auch der Sieg von Katharina Lalenko gegen Julia Mucke, die schon in der Eröffnung eine Figur eingestellt hatte.

Die Spitzengruppe mit 3/3 ist auf zwei Spielerinnen zusammengeschmolzen: Alica Lachenmaier und Yasmina Abdullayeva, die morgen die Schwerter kreuzen werden.

 

U12w:

In diese Altersklasse konnte Isabella Artemenko das Spitzenspiel gegen Annika Giss für sich entscheiden. In einem weitgehend ausgeglichenen Spiel wurde nach einem Tausch der Leichtfiguren der b-Bauer von Isabella sehr stark und konnte durchlaufen. Der Vorstand der Bayerischen Schachjugend betitelte dies als „die Tragödie eines Tempos“.

Auch Sophie Zhong konnte an Brett 2 gewinnen, sodass dieses Duo nun mit weißer Weste die Tabellenspitze besetzt und morgen gegeneinander spielen wird.

 

U14w:

Am Spitzenbrett konnte Amelie Werner die Partie gegen Miriam Gubler gewinnen. Auch an den meisten anderen Brettern gewannen die favorisierten Spielerinnen. Lediglich an Brett 4 ließ die bereits für die DEM qualifizierte Sara Vignesh ein Remis zu. An Brett 7 gewann Juliana Madlen Spengler gegen die leicht favorisierte Huien Ge.

 

U16w:

Über fast alle Bretter hinweg haben die favorisierten Spielerinnen gewonnen. Lediglich an Brett 7 (auch an den hinteren Brettern wird schließlich gutes Schach gespielt) hat Nellie Shonia einen sehenswerten kombinatorischen Königsangriff gestartet, der schließlich den Sieg gegen die etwas höher bewertete Franziska Wambach brachte.

Am längsten duellierten sich die DVM-Teamkolleginnen Mariia Averkova und Greta Grunert (die zweite Partie dieser Art für Mariia heute). Mariia hatte im Turmendspiel mit Mehrbauer das glücklichere Ende für sich und hält somit den Anschluss an die Spitzengruppe.

Julia Schwarzfischer konnte an Brett 1 ihre Schwarzpartie gegen Tugce Türel für sich entscheiden. Beide schenkten sich nichts und produzierten ein „Leichtfigurensandwich“ auf der e-Linie (O-Ton BSJ-Vorstand). Weiß suchte sein Heil im Königsangriff, den Julia mit Schwarz gut verteidigte. Am Ende fand Tugce unter Zeitnot nicht mehr die richtigen Züge.

Julia Schwarzfischer steht damit nun allein an der Spitze mit 3/3. Die Verfolgerinnen haben bereits mindestens einen Punkt Rückstand. Ob 2026 die U16w so „langweilig“ wird wie im letzten Jahr, als Kseniia Boronina davonstürmte? Oder kann Mariia Averkova dies morgen Vormittag verhindern?

 

U18w:

In der U18w einigten sich die beiden Erstgesetzten, Elisabeth Reich und Lin Englert, nach 17 ereignislosen Zügen auf Remis – möglicherweise eine kräfteschonende Maßnahme mit dem Zweck, sich die Verfolgerinnen frühzeitig vom Leib zu halten.

Im Garchinger Duell zwischen Lasya Chennupati und Aditi Anaparthi konnte sich ebenfalls keine Spielerin nennenswerte Vorteile erarbeiten, sodass die Partie nach 20 Zügen remis endete.

 

Den mittlerweile häufiger eintreffenden Leserfragen widmen wir uns gerne:

Gibt es ein Foto des Schiedsrichternachwuchses?

Ja, gibt es … Für den regionalen Schiedsrichter reicht es noch nicht ganz, aber man(n) ist ja noch jung! Gerüchtehalber soll eine U18w-Spielerin ihre gesamte Mittagspause geopfert haben, um den jungen Mann am Schachbrett weiterzubilden.

 

Wie viele Nationalitäten nehmen an dieser Bayerischen Meisterschaft teil?

Die Nationalitäten der Spielerinnen sind nicht vollständig bekannt. Erkennbar ist lediglich, wenn eine Spielerin mit einer ausländischen FIDE-ID antritt. Eine ID ist bei der Bayerischen Meisterschaft ab der Altersklasse U12w Pflicht.

Nach Durchsicht bei chess-results.com können wir mitteilen: In den Altersklassenturnieren spielen drei Mädchen mit ukrainischer FIDE-ID, ein Mädchen mit ungarischer FIDE-ID und ein Mädchen mit türkischer FIDE-ID. Bei uns in Deutschland ist es so geregelt, dass sich auch Mädchen mit ausländischer FIDE-ID für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren können. Für einen Start bei einer EM oder WM im Landeskontingent sind sie jedoch nicht zugelassen – sie könnten aber für ihr jeweiliges FIDE-Heimatland antreten.

 

Bleibt gerne dran – morgen gibt es einen neuen Bericht.