Ein strahlender Morgen bot die Bühne für die zweite Runde der Bayerischen Mädchen-Einzelmeisterschaft. Die Reihen sind mittlerweile komplett, es gibt keine Ausfälle zu beklagen – auch wenn gestern noch einige Meldungen von akutem Heimweh eingingen. Insgesamt war es schon am frühen Abend erstaunlich ruhig auf den Gängen; es gab lediglich Handlungsbedarf für die Betreuer im Zimmer der Nachwuchsritterinnen hinsichtlich Einhaltung der Bettruhe.

Die zweite Runde wurde pünktlich eröffnet. Letzte Unklarheiten zum Zeitplan (bitte den Aushang beachten) und zu den Zuspätkommregeln konnten beseitigt werden. Kaum hatte man sich im Schiedsrichterbüro eingerichtet und die Eltern den Spielsaal verlassen, war um 8:57 Uhr – also nach nur 27 Minuten – bereits die erste Partie in der U10w beendet: Alexandra Movsesyan setzte sich durch und bestätigte damit ihren Ruf als Favoritenschreck.
In dieser AK besteht in diesem Jahr durchaus Verwechslungsgefahr: Alica, Alisa, Alicia – hier ist höchste Aufmerksamkeit seitens Schiedsrichter und Betreuer gefragt, insbesondere wenn sie gegeneinander antreten und wenn dann noch eine weitere „Alisa“ (Holzmann) die Partieeingabe macht.
Die Erfassung der Partien gestaltet sich ohnehin nicht immer einfach. Während die höheren Altersklassen (mit wenigen Ausnahmen) zügig bearbeitet sind, braucht es bei U10w-Partien oft zwei bis drei Personen, um zu rekonstruieren, welcher Turm oder Springer sich bewegt hat und wie viele Züge ergänzt werden müssen, um Lücken im Partieformular zu schließen. Hinzu kommen kreative, teils neue Abkürzungen für Figuren – die bayerische Meisterschaft wird zunehmend international und bietet beste Gelegenheiten zur spontanen Schiedsrichterfortbildung.
Nach knapp zwei Stunden waren in der U10w alle Partien beendet. Auffällig: Schwarz dominierte mit fünf Siegen aus sieben Partien.
In der U12w wurde die erste Partie nach etwa einer Stunde beendet. Sarah Ito meldete sich nach ihrer überraschenden Niederlage am Vortag mit einem Sieg gegen Anna-Lena Sandt zurück. Nach zwei Runden führen Annika Giss, Sophie Zhong und Isabella Artemenko das Feld an. Magda Schulz sorgte erneut für Aufsehen und erreichte gegen Prajna Sai Chitluri ein Remis – als Setzlistenzwölfte steht sie nun bei starken 1,5 Punkten. Lucia Riera Galmés besiegte mit den schwarzen Steinen die deutlich höher eingestufte Marie Kiyici in einer spannenden Partie: Nach einem frühen Damenverlust kämpfte sich Marie zurück und hatte schließlich drei Leichtfiguren als Kompensation. Doch ein weiterer unfreiwilliger Figurenverlust kostete sie dann doch die Partie.
In der U14w kam es am Spitzenbrett zum Duell der Teamkolleginnen Kashika Paliwal und Mariia Averkova. In der Eröffnung hatte Kashika Paliwal eine Springergabel übersehen, was Schwarz aber im weiteren Verlauf nicht entscheidend verwerten konnte. Dann geriet Mariia Averkova selbst in einen Mattangriff und der schwarze König wurde nach wilder Jagd gestellt. Antonia Luible bestätigte ihre starke Form und erreichte nach dem gestrigen Remis erneut ein Unentschieden gegen eine höher bewertete Gegnerin (Madhushri Raghavan). Mit voller Punktzahl führen Sarah Gubler und Amelie Werner die Tabelle an, die in Runde drei aufeinandertreffen werden.
In der U16w endete das Duell der beiden Setzlistenersten, Valentina Neumeier und Nataliya Movchan, mit einem ruhigen Remis. Auch die Vereinskameradinnen Helena Mauhs und Greta Grunert trennten sich friedlich. An der Spitze stehen nun drei Spielerinnen mit jeweils zwei Punkten: Julia Schwarzfischer, Tugce Türel und Kashika Paliwal. Dahinter folgt das Feld mit mindestens einem Punkt Abstand – die Tabelle bildet ein schönes Muster mit 3 Spielerinnen bei zwei Punkten und 3 ohne Zähler, die die insgesamt 10 Spielerinnen mit 1 Punkt einrahmen.
In der U18w war es der Tag der Schwarzspielerinnen: Drei von vier Partien gingen an sie. Nur Lin Englert konnte mit Weiß gegen Lasya Chennupati gewinnen. Englert und Elisabeth Reich führen nun mit voller Punktzahl und treffen in der nächsten Runde direkt aufeinander.
Was bleibt noch zu sagen? Einige Teilnehmerinnen haben scherzhaft eine Verlegung des Turniers in den Mai beantragt – dann hätte das Burg-Freibad geöffnet. Die aushängenden Schilder und der strahlende Sonnenschein wecken jedenfalls Sommergefühle.

Und: Das Redaktionsteam kommt den Leserwünschen nach und liefert ein paar Eindrücke aus der neuen „Burghalle“ in Wernfels.

Der nächste Bericht folgt nach der 3. Runde, wir freuen uns über viele Leser.